Gebäudeakustik
Bei Bauten, insbesondere bei Gebäuden, haben wir es mit mehreren akustisch relevanten Wirkbereichen zu tun, die auf das Engste ineinandergreifen. So verfügen alle Baumaterialien, Bauteile oder auch -systeme über eigene schalltechnische Besonderheiten und aus den verschiedenen Kombinationen ergeben sich Konsequenzen, die zum Teil nur mit jahrelanger praktischer fachlicher Erfahrungen hinreichend vorab beurteilt werden können.
Bauakustik
Die Bauakustik beschäftigt sich mit den bautechnischen, bauphysikalischen, architektonischen und baulich-organisatorischen Aspekten der Schallausbreitung zwischen den Räumen und Flächen eines Gebäudes bzw. zwischen dem Gebäudeinneren und der Außenumgebung.
Hier geht es also unter anderem um die schalltechnischen Eigenschaften von Bauteilen, Bausystemen und auch Baustoffe. Grundsätzlich werden die diesbezüglichen bauakustischen Qualitäten eines Gebäudes nämlich bereits durch die Art des verwendeten Baumaterials bzw. die Grundkonstruktion des Rohbaues ganz wesentlich bestimmt. Beplankte Stahlgerüstbauten haben eine ganz andere Schallrelevanz, als aus industriell vorgefertigten Betonplatten verschweißte Stahlbetonbauten, aus Tonziegel oder Bims gemauerte Häuser oder möglicherweise sogar gezimmerte Holzständerbauten.
Üblich ist mittlerweile mindestens eine weitere Dämmschale von außen aufzusetzen: vorgesetzte Vollverklinkerung oder Halbklinker, hinterdämmte Holzfassaden, hochdämmende Putzsysteme. Die Dächer werden mit vielschaligen Wärmedämmverbundsystemen nicht nur gegen Energieverlust, winterliche Kälte und sommerliche Hitze gedichtet, sondern faktisch auch schalldicht gemacht. Arbeiten, die häufig von fachlich spezialisierten Trocken- und Akustikbaubetrieben ausgeführt werden.
Fenster und Türen mit doppelter und dreifacher Isolierverglasung und Beschichtung tun ein Übriges. Da, wo Wärmebrücken bautechnisch beseitigt werden durch den Einsatz von gummierten Isolationsmaterialien werden letztlich auch Schallbrücken eliminiert.
In der Bauakustik geht es auch darum, Bauelemente wie Treppen, Podeste, Balkone, Galerien und Ähnliches in sich möglichst stabil und schwingungsfrei zu errichten und fest und schallentkoppelt mit dem Gebäudekern zu verbinden. Wie nervig kann eine Stahltreppe werden, die jeden Schritt eines Nutzer lautstark an sämtliche Hausbewohner weitermeldet.
Raumakustik
In der Raumakustik geht es um die Auswirkungen der baulichen Gegebenheiten eines Raumes auf die Ausbreitung jeglicher Schallwellen.
Erstes Kriterium einer professionell gestalteten Raumakustik im Baubereich ist die hinreichende Schalldämmung. Hier geht es um den Schutz vor Lärmbelästigungen und -belastungen sowohl aus der Gebäudeumgebung, aus anderen Räumen des Gebäudes und auch von innerhalb des Raumes selbst.
Zudem beschäftigt sich die Raumakustik als Disziplin des Hochbaus mit der Schaffung von Hörerlebnissen. Unter Berücksichtigung der Eigenschaften des menschlichen Gehörs, der subjektiven Hörgewohnheiten und der gesellschaftlich üblichen Anforderungen und Ansprüche an die Musik- und Sprachästhetik werden Räume durch architektonische Geometrien und spezifische Baustoffe und -materialien akustisch optimiert.
In der Raumakustik gibt es zwei Sonderfälle:
"Schalltoter Raum"
Hierbei handelt es sich um einen Raum, der durch schallabsorbierende Materialien Reflexionen von Schall nicht zulassen soll. Das komplett zu erreichen, ist eher ein theoretischer Ansatz. Vor dieser Aufgabenstellung steht der ambitionierte Trocken- und Akustikbau aber regelmäßig bei der Errichtung von Tonstudios beispielsweise, um störende Nebeneffekte bei der Aufzeichnung von Schallquellen (Sprache oder Musik) weitestgehend zu minimieren.
"Hallraum"
So wird in der experimentellen Akustik ein Raum bezeichnet, in dem durch die Verwendung besonders gut reflektierender oberflächlich harter Baumaterialien ein höchstmöglicher Nachhall erzeugt wird. Er dient unter anderem der Messung der Schallleistung einer Schallquelle oder auch der Bestimmung der dämpfenden Wirkung von Schallschutzmaterialien.
Technische Akustik
Unter dem Begriff technische Akustik werden verschiedene Bereiche zusammengefasst. Hier geht es beispielsweise um die Schalldämmung von Maschinen, Anlagen oder Fahrzeugen. Aber auch so emotional besetzte Arbeitsfelder wie die Auspuffgeräuschoptimierung von Kraftfahrzeugen fallen unter diesen Terminus.
Im Bauwesen geht es bei der technischen Akustik vor allem um die Geräuschdämmung von technischen Einbauten und Anlagen. Jahrelang erwies sich die Schallerzeugung und -übertragung seitens der Sanitärinstallationen als ein ganz wesentliches Problem. Heute werden in der modernen Gebäudetechnik nicht nur immer aufwendigere, ausgeklügelte Ver- und Entsorgungsstränge installiert, auch der diesbezügliche Schallschutz wird immer professioneller. Leitungen für Frisch- und Abwasser oder die Be- und Entlüftung werden mit Dämmmaterialien umwickelt, durch spezielle Halterungen vom Gebäudekern schallentkoppelt montiert und durch schwingungsarme Verbindungstechniken zusammengesetzt.
Der Akustik- und Trockenbau arbeitet hier auf das Engste mit den betreffenden technischen Gewerken wie dem Sanitär- und Heizungsbau zusammen, da er die Installationshohlräume schafft und dämmt, Vorsatzschalen und Konstruktionswände errichtet und die abschließenden Bekleidungsarbeiten durchführt.
(c) by Päffgen GmbH bzw. deren Autoren 2009, Akustikbau
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